Wenn es um Jobinterviews geht, gibt es eine Frage, die in Bewerbungsgesprächen immer wieder auftaucht – und fast jede Bewerberin innerlich seufzen lässt:
Erzählen Sie etwas über sich.
Sie klingt harmlos. Sie wirkt offen. Und genau das macht sie tückisch.
Die Frage ist unspezifisch – und sie führt viele Bewerberinnen direkt in die falsche Richtung.
Dabei kann diese Frage ein Geschenk sein. Wenn du weißt, wie du sie strategisch nutzt.
In diesem Artikel bekommst du drei konkrete Techniken, mit denen du souverän antworten kannst.
Warum die Frage so schwierig ist (und dich ins Stolpern bringen kann)
Zwei Gründe:
- Sie ist unpräzise. Der Interviewer bekommt dadurch nicht automatisch die Informationen, die er braucht, um zu prüfen, ob du zur Stelle passt.
- Sie bringt dich in Gefahr, am wichtigsten Punkt zu scheitern: deine Fähigkeiten nicht klar mit dem Bedarf des Unternehmens zu verknüpfen.
Und genau das ist der Hauptgrund, warum Bewerberinnen im Prozess manchmal nicht überzeugen können:
Sie zeigen nicht ihre Passung – obwohl sie eigentlich perfekt wären.
Die 3 besten Strategien, um stark zu antworten
Du suchst einen ersten Schritt? Hier ist er.
1. Die clevere Rückfrage: Du bestimmst die Richtung
Wenn der Interviewer sagt: Erzählen Sie etwas über sich., antwortest du:
Gerne. Mein Hintergrund ist sehr breit – gibt es einen bestimmten Bereich, der für Sie besonders relevant ist?
Warum das funktioniert:
- Du zeigst Professionalität.
- Du zwingst den Interviewer dazu, dir eine klare Richtung zu geben.
- Du vermeidest, fünf Minuten lang Dinge zu erzählen, die niemand hören will.
Es gibt nur zwei mögliche Antworten – und beide helfen dir:
A) Er sagt, was ihn interessiert → Jackpot
Notiere dir die Stichworte und geh genau darauf ein.
B) Er sagt: Nein, erzählen Sie einfach. → Dann kommt Technik 2 oder 3.
2. Die Jobbeschreibung-Methode
Wenn du eine Stellenanzeige hast, sagst du:
Dann gehe ich gerne anhand der Jobbeschreibung vor und zeige Ihnen kurz, wo ich diese Anforderungen schon erfüllt habe.
Das ist extrem wirksam, weil du:
- zielgerichtet sprichst
- Relevanz herstellst
- die Verantwortung über den Gesprächsverlauf übernimmst
Du vermeidest alles, was überflüssig ist – und lenkst das Gespräch dorthin, wo du gewinnen kannst.
3. Keine Jobbeschreibung? Dann nutze deine Annahme
Falls es keine Stellenausschreibung gibt oder du sie nicht bekommen hast, sagst du:
Ich gehe davon aus, dass der Schwerpunkt der Rolle in X, Y und Z liegt. Dann würde ich dazu kurz meinen Hintergrund erklären.
Das Geniale:
- Wenn deine Annahme falsch ist, wird der Interviewer dich korrigieren → und zack, du hast Klarheit.
- Wenn er dich nicht korrigiert, liegst du richtig → und kannst selbstbewusst fortfahren.
Du zwingst also eine Struktur ins Gespräch – auch wenn der Interviewer selbst keine hat.
Wie du deine Antwort dann aufbaust
Deine Antwort muss immer die Brücke schlagen zwischen deinem Hintergrund und dem Bedarf des Unternehmens.
Das heißt:
- kurzer Überblick
- zwei bis drei relevante Beispiele passend zur Rolle
- Ergebnis oder Wirkung deiner Arbeit
Kein Lebenslauf zum Vorlesen.
Keine Nebenschauplätze.
Keine private Story.
Beispielantwort 1 – Wenn du die Rückfrage stellst und eine klare Richtung bekommst
Interviewer: Erzählen Sie etwas über sich.
Du: Gerne. Gibt es einen Bereich meines Hintergrunds, der für diese Position für Sie besonders interessant ist?
Interviewer: Ja, uns interessiert vor allem Ihr Erfahrungsteil im Projektmanagement…
Deine Antwort: Perfekt, dann steige ich dort ein. Ich arbeite seit fünf Jahren im Projektmanagement mit Fokus auf digitale Prozesse. In meiner letzten Position habe ich ein internes Automatisierungsprojekt geleitet, das die Durchlaufzeiten um 32 % reduziert hat. Besonders wichtig war dabei die enge Abstimmung mit Entwicklung, Vertrieb und Geschäftsführung. Ich bringe also sowohl operative Erfahrung als auch Stakeholder-Management mit – genau das, was Sie in Ihrer Anzeige für die neue Rolle betonen.
Beispielantwort 2 – Wenn der Interviewer keine klare Richtung vorgibt, du aber die Jobbeschreibung hast
Interviewer: Erzählen Sie etwas über sich.
Du: Gerne. Dann orientiere ich mich an der Jobbeschreibung. Sie suchen jemanden, der X, Y und Z übernimmt – darauf gehe ich kurz ein. Mein Schwerpunkt liegt seit mehreren Jahren im Bereich Kundenkommunikation und Prozessoptimierung.
Zu X: In meinem letzten Job war ich verantwortlich für…
Zu Y: Zusätzlich habe ich…
Zu Z: Besonders relevant für Sie ist wahrscheinlich mein Projekt A, bei dem ich…
Kurz gesagt: Ich bringe genau die Kombination aus Erfahrung und Hands-on-Mentalität mit, die Sie für diese Rolle beschrieben haben.
Beispielantwort 3 – Wenn es keine Jobbeschreibung gibt und du mit Annahmen arbeiten musst
Interviewer: Erzählen Sie etwas über sich.
Du: Gerne. Ich gehe davon aus, dass der Schwerpunkt der Position in X und Y liegt – wenn das nicht ganz korrekt ist, korrigieren Sie mich bitte kurz.
→ Interviewer nickt oder sagt Ja, das passt.
→ Dann deine Antwort:
Ausgehend davon: Ich habe in den letzten Jahren vor allem in Bereichen gearbeitet, die genau diese Fähigkeiten verlangen.
Ein Beispiel: In meiner vorherigen Rolle habe ich…
Ein zweites Beispiel: Außerdem habe ich…
Dadurch bringe ich sowohl das technische Wissen als auch die praktische Erfahrung mit, um die Rolle schnell und eigenständig auszufüllen.
Ultra-Kurzversion für alle, die keine Romane erzählen wollen
Ich gebe Ihnen gerne einen kurzen Überblick. Mein Schwerpunkt liegt auf X und Y. In meiner letzten Rolle habe ich besonders an Z gearbeitet – damit konnte ich A, B und C erreichen. Die Anforderungen Ihrer Position passen hervorragend zu genau diesen Erfahrungen.
Warum diese Techniken funktionieren
Weil du damit:
- Relevanz in den Vordergrund stellst
- Verbindung zwischen dir und der Stelle herstellst
- Fehler vermeidest, die anderen Bewerberinnen passieren
- die Gesprächsführung übernimmst, ohne unhöflich zu wirken
Und genau das entscheidet darüber, wer am Ende die Zusage bekommt.
Fazit: Erzählen Sie etwas über sich: von jetzt an deine Lieblingsfrage
Mit diesen drei Methoden machst du aus der schwierigsten Interviewfrage eine Steilvorlage:
- Rückfrage stellen
- Jobbeschreibung nutzen
- Annahmen formulieren, wenn nichts vorliegt
Du wirkst strukturiert, souverän und professionell – und zeigst sofort:
Ich bin hier, um Mehrwert zu liefern, nicht um zu plaudern.



