SpeakUp: 5 Sätze, die den Anfang leichter machen

Du hast dich entschieden: Du willst das Gespräch führen.

Vielleicht steht eine Wiedereingliederung an. Vielleicht brauchst du Anpassungen bei deiner Arbeitszeit oder deinen Aufgaben. Vielleicht musst du zum ersten Mal überhaupt aussprechen, was los ist.

Der erste Artikel dieser Serie hat gezeigt, warum SpeakUp so schwer ist, für Betroffene genauso wie für Führungskräfte und HR. Jetzt geht es um das Wie.

Hier findest du fünf Gesprächsvorlagen für typische Situationen, eine Checkliste zur Vorbereitung und einen Reflexionsbogen für danach.

Bevor du loslegst: Was du wissen solltest

Diese Vorlagen sind Startpunkte, keine Skripte. Du musst sie nicht auswendig lernen. Es geht darum, dass du Worte hast, wenn dir sonst keine einfallen.

Wichtig: Du bestimmst, wie viel du erzählst. Du musst keine Diagnose nennen. Du musst nicht erklären, was genau passiert ist. Du darfst bei dem bleiben, was für die Arbeitssituation relevant ist.

Und wenn du auf der anderen Seite sitzt – als Führungskraft oder im HR – findest du bei jeder Vorlage einen Kasten mit Hinweisen, wie du das Gespräch gut begleiten kannst.

Vorlage 1: „Ich muss über meine Situation sprechen“

Das erste Gespräch

Die Situation: Du möchtest zum ersten Mal ansprechen, dass du gesundheitlich belastet bist oder warst. Du weißt nicht, wie viel du sagen sollst.

Mögliche Formulierungen:

„Ich möchte etwas mit dir besprechen, das mir nicht leicht fällt. Es geht um meine Gesundheit und wie sie sich auf meine Arbeit auswirkt.“

„Ich war in letzter Zeit gesundheitlich eingeschränkt und möchte offen sein, damit wir gemeinsam schauen können, was ich brauche.“

„Mir fällt es schwer, darüber zu sprechen – aber ich merke, dass es besser ist, wenn du Bescheid weißt.“

Tipp: Du musst nicht alles im ersten Gespräch klären. Es reicht, die Tür zu öffnen.
Für Führungskräfte und HR:
Wenn jemand dieses Gespräch sucht, hat diese Person wahrscheinlich lange überlegt. Deine wichtigste Aufgabe: Zuhören. Nicht sofort Lösungen anbieten.
Ein einfaches „Danke, dass du mir das sagst“ kann mehr bewirken als jeder gut gemeinte Ratschlag.

Du suchst einen ersten Schritt? Hier ist er.

minikurs achte auf dich

Achtsam mit dir

Gehen deine Bedürfnisse im Trubel des Alltags unter?

minikurs aufrecht & stabil

Haltung finden

Wie stehst du zu dir oder wie stehst du im Leben?

minikurs tu dir gut

Tu dir gut

Wie stehst du zu dir oder wie stehst du im Leben?

Vorlage 2: „Ich brauche eine Anpassung“

Arbeitszeit, Aufgaben, Wiedereingliederung

Die Situation: Du bist zurück im Job oder noch mittendrin, aber merkst: So wie bisher geht es nicht. Du brauchst eine Veränderung.

Mögliche Formulierungen:

„Ich habe gemerkt, dass ich aktuell nicht in vollem Umfang leistungsfähig bin. Ich würde gern besprechen, welche Anpassungen möglich wären.“

„Für meine Stabilität wäre es hilfreich, wenn wir bei [konkreter Punkt] eine Lösung finden könnten.“

„Ich möchte gut arbeiten – und dafür brauche ich gerade [konkrete Anpassung]. Können wir schauen, wie das umsetzbar ist?“

Tipp: Sei so konkret wie möglich. Statt „Ich brauche weniger Stress“ lieber „Ich würde gern erstmal keine Rufbereitschaft übernehmen“.
Für Führungskräfte und HR:
Frag nach, was genau gebraucht wird – ohne zu bewerten, ob es „schlimm genug“ ist.
Anpassungen sind keine Sonderbehandlung, sondern oft der Unterschied zwischen jemandem, der bleibt, und jemandem, der geht.

Vorlage 3: „Das überfordert mich gerade“

Akut eine Grenze setzen

Die Situation: Du bist in einer Besprechung, bekommst eine neue Aufgabe oder stehst vor einer Situation, die dich akut überfordert.

Mögliche Formulierungen:

„Ich merke gerade, dass ich das heute nicht gut stemmen kann. Können wir schauen, wie wir das anders lösen?“

„Das ist mir im Moment zu viel. Ich melde mich, sobald ich wieder Kapazität habe.“

„Ich muss kurz raus / brauche kurz eine Pause. Ich komme gleich wieder.“

Tipp: Du musst dich nicht rechtfertigen. Ein kurzer Satz reicht.
Für Führungskräfte und HR:
Wenn jemand eine Grenze setzt, respektiere sie. Keine Nachfragen im Moment, keine enttäuschten Blicke.
Ein einfaches „Okay, mach das“ gibt der Person die Sicherheit, dass sie richtig gehandelt hat.

Vorlage 4: „Ich erlebe unangemessene Reaktionen“

Stigmatisierung ansprechen

Die Situation: Seit du offen mit deiner Situation umgehst, erlebst du Kommentare, Blicke oder Verhaltensweisen, die dich verletzen. Kolleginnen machen „Witze“, du wirst von Projekten ausgeschlossen, oder jemand behandelt dich plötzlich wie ein rohes Ei.

Mögliche Formulierungen:

„Mir ist aufgefallen, dass [konkrete Beobachtung]. Das hat mich verunsichert. Ich wollte das direkt ansprechen.“

„Ich weiß nicht, ob das so gemeint war – aber [Kommentar/Verhalten] hat sich für mich nicht gut angefühlt.“

„Ich spreche das an, weil mir unsere Zusammenarbeit wichtig ist. Nicht um dich anzugreifen.“

Tipp: Beschreibe, was du beobachtet hast – keine Unterstellungen, keine Bewertungen. Lass Raum für die Perspektive des anderen.
Für Führungskräfte und HR:
Stigmatisierung passiert oft unbewusst. Deine Aufgabe ist es, hinzuhören und klar zu machen, dass solches Verhalten nicht okay ist, auch wenn es „nicht so gemeint“ war.
Wirkung zählt, nicht Absicht.

Vorlage 5: „Die aktuelle Situation funktioniert nicht“

Feedback an die Führung

Die Situation: Die Unterstützung, die du brauchst, kommt nicht an. Vereinbarungen werden nicht eingehalten. Du merkst, dass du wieder in alte Muster rutschst, weil sich nichts verändert hat.

Mögliche Formulierungen:

„Wir hatten besprochen, dass [Vereinbarung]. Ich habe den Eindruck, dass das im Alltag untergeht. Können wir nochmal schauen, wie wir das sicherstellen?“

„Mir fällt es schwer, das anzusprechen – aber ich merke, dass ich mit der aktuellen Situation nicht gut zurechtkomme.“

„Ich möchte gern offen sein: Was wir vereinbart haben, funktioniert für mich noch nicht so, wie ich es mir erhofft hatte.“

Tipp: Bleib bei den Fakten:
1. Was wurde vereinbart?
2. Was passiert stattdessen?
3. Was wäre dein Vorschlag?
Für Führungskräfte und HR:
Nimm dieses Feedback ernst, auch wenn es unbequem ist. Jemand, der dir sagt, dass es nicht funktioniert, vertraut dir noch genug, um es zu versuchen.
Das ist ein Geschenk, kein Angriff.

Dr. Barbara Schreiber

Oberärztin | Mentorin | Mutter | Ehefrau

Ich weiß, wie dein Tag aussieht. Und dass du mehr verdienst als nur durchzuhalten.
Verantwortlich für 125 Ärzt:innen. MSc Patient Safety. MBA.
Leitet die Zukunftswerkstatt für Frauen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen