SpeakUp: Wie sage ich es bloß?

Du weißt, dass du irgendwann dieses Gespräch führen musst.

Mit deiner Führungskraft. Mit HR. Vielleicht mit dem Team.

Du hast eine psychische Krise hinter dir – oder steckst noch mittendrin. Und jetzt steht da diese Frage im Raum:

  • Wie sage ich es?
  • Wann?
  • Und wie viel muss ich überhaupt erzählen?

Vielleicht schiebst du das Gespräch seit Wochen vor dir her. Vielleicht hast du es schon versucht und bist an einer Mauer aus Unsicherheit oder Floskeln abgeprallt.

SpeakUp – also das bewusste Ansprechen von dem, was dich belastet, gehört zu den wichtigsten und gleichzeitig schwierigsten Dingen im Arbeitsleben.

Besonders, wenn es um psychische Gesundheit geht.

Dieser Artikel zeigt dir, warum das so ist. Aus beiden Perspektiven: als Betroffene und als Führungskraft oder HR-Verantwortliche.

Denn oft sitzen zwei Menschen im selben Raum, die beide nicht wissen, wie sie anfangen sollen.

Wenn du betroffen bist:

Warum es sich anfühlt wie ein Sprung ins kalte Wasser

Du bist nicht allein mit dem Gefühl, dass dieses Gespräch unmöglich scheint. Die Hürden sind real – und sie haben wenig mit fehlendem Mut zu tun.

Die Angst vor dem Stempel.

„Die denken dann, ich bin nicht belastbar.“ „Ich werde nie wieder für ein wichtiges Projekt in Betracht gezogen.“ Diese Gedanken sind keine Einbildung. Stigma rund um psychische Erkrankungen existiert – auch wenn sich gesellschaftlich langsam etwas bewegt. Die Angst, ab sofort nur noch als „die mit den Problemen“ gesehen zu werden, ist nachvollziehbar.

Wie viel muss ich eigentlich sagen?

Musst du deine Diagnose nennen? Deine Therapie erklären? Die Antwort ist: Nein. Du bestimmst, wie viel du teilst. Aber genau diese Unklarheit macht es schwer. Wo ist die Grenze zwischen „zu wenig“ und „zu viel“? Was ist professionell, was ist zu privat?

Die Sorge vor Mitleid.

Manche Menschen reagieren auf psychische Krisen mit übertriebener Fürsorge. Plötzlich wirst du behandelt, als könntest du nichts mehr alleine. Auch das kann sich falsch anfühlen – wie ein anderer Käfig.

Der „richtige Moment“.

Du wartest auf den perfekten Zeitpunkt. Wenn das Projekt vorbei ist. Wenn weniger Stress ist. Wenn du dich stabiler fühlst. Aber dieser Moment kommt selten von allein. Und während du wartest, wächst der innere Druck.

Das Gefühl, eine Last zu sein.

„Die haben eh schon genug um die Ohren.“

„Ich will nicht, dass sich alle wegen mir umorganisieren müssen.“

Du trägst nicht nur deine eigene Situation, du trägst auch noch die Sorge, anderen zur Last zu fallen.

All das zusammen ergibt einen inneren Widerstand, der sich anfühlen kann wie Beton. Und trotzdem: Das Gespräch zu führen ist möglich. Nicht weil es leicht ist, sondern weil du es vorbereiten kannst.

Du suchst einen ersten Schritt? Hier ist er.

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Wenn du auf der anderen Seite sitzt:

Warum auch Führungskräfte und HR oft schweigen

Vielleicht bist du Führungskraft oder arbeitest im Personalbereich. Du merkst, dass mit jemandem in deinem Team etwas nicht stimmt. Häufige Krankmeldungen. Rückzug. Verändertes Verhalten.

Aber du sagst nichts. Nicht weil es dir egal ist, sondern weil du nicht weißt, wie.

„Was darf ich überhaupt fragen?“

Die rechtliche Unsicherheit ist groß. Darf ich nach der Diagnose fragen? Darf ich das Thema überhaupt ansprechen oder ist das übergriffig? Viele Führungskräfte haben Angst, etwas Falsches zu sagen und sagen deshalb lieber gar nichts.

Die Angst, zu triggern.

„Was, wenn ich es schlimmer mache?“

„Was, wenn die Person anfängt zu weinen und ich nicht weiß, was ich tun soll?“

Diese Sorge ist menschlich. Aber sie führt dazu, dass Betroffene das Gefühl bekommen, unsichtbar zu sein.

Eigene Hilflosigkeit.

Du bist Führungskraft, keine Therapeutin. Du hast keine Ausbildung für solche Gespräche. Und vielleicht hast du selbst nie gelernt, über psychische Belastungen zu sprechen – weder im Job noch privat.

Nicht bevormunden wollen.

Du willst niemanden in eine Schublade stecken. Nicht über jemanden reden, sondern mit. Aber wie fängt man das an, ohne dass es sich anfühlt wie ein Verhör?

Das Schweigen, das alles verschlimmert.

Je länger beide Seiten nicht sprechen, desto größer wird die Distanz. Betroffene fühlen sich allein. Führungskräfte fühlen sich machtlos. Und irgendwann ist die Situation so verfahren, dass ein einfaches Gespräch nicht mehr reicht.

Warum es sich trotzdem lohnt – für beide Seiten

Das Gespräch zu führen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Klarheit.

Für Betroffene:

Du musst nicht alles alleine regeln. Wenn dein Arbeitsumfeld weiß, was du brauchst, kann es dich unterstützen, statt unwissentlich zusätzlichen Druck aufzubauen. Das heißt nicht, dass du dich erklären oder rechtfertigen musst. Aber ein Gespräch kann Raum schaffen, den du vorher nicht hattest.

Für Führungskräfte und HR:

Menschen, die sich gesehen fühlen, bleiben. Sie werden seltener langzeitkrank. Sie trauen sich, früher um Unterstützung zu bitten. Ein offenes Ohr ist keine Therapie, aber es kann der erste Schritt sein, damit jemand sich traut, professionelle Hilfe zu suchen.

Für beide:

Schweigen schützt niemanden. Es isoliert. Ein unvollkommenes Gespräch ist fast immer besser als gar keins.

Dr. Barbara Schreiber

Oberärztin | Mentorin | Mutter | Ehefrau

Ich weiß, wie dein Tag aussieht. Und dass du mehr verdienst als nur durchzuhalten.
Verantwortlich für 125 Ärzt:innen. MSc Patient Safety. MBA.
Leitet die Zukunftswerkstatt für Frauen

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