Aufschieben vermeiden: Wieso du Dinge vor dir her schiebst & was hilft

Aufschieben vermeiden Frau unter Kissen Hand auf Wecker

Das letzte was ich wollte war, um eine Verlängerung zu bitten.

Ich hatte eine Frist.

Ich wusste, dass ich jetzt langsam in die Puschen kommen solltest. Ich erinnerte mich noch zu gut an das letzte Mal, als ich es noch kurz vor knapp geschafft hatte, alles fertig abzuliefern. Es brauchte zwei Nachtschichten und ich fühlte mich danach völlig erledigt.

Aber anstatt mich auf das zu konzentrieren, was dringend und wichtig war, vertrödelte ich meine Zeit mit etwas anderem.

Das Bad war schon geputzt und die Küche war auch blitzeblank. Die Bügelwäsche wartete allerdings noch auf mich… ich überlegte ernsthaft, ob ich sie in Angriff nehme.

Noch zögerte ich.

Obwohl mir meine innere Stimme sagte, dass ich mir wieder selbst im Weg stand und endlich anfangen soll. Es ist Schwachsinn etwas zu tun, von dem man weiß, dass es negative Folgen hat.

Hier zeige ich dir, wie ich meine Aufschieberitis stoppe. Das klappt nicht immer, jedoch immer besser.

Was erledigst du alles, wenn du im Aufschiebe-Modus bist?

Die neurowissenschaftliche Erklärung zu Prokrastination (so das Fachwort für Aufschieberitis) hilft dir auch nicht weiter: Sie basiert auf dem Kampf zwischen deinem limbischen System und dem präfrontalen Kortex.

Das limbische System ist einer der ältesten und dominantesten Teile des Gehirns. Seine Prozesse sind weitgehend automatisch. Wenn du das Gefühl hast, dass dein ganzer Körper dir sagt, dass du aus einer unangenehmen Situation fliehen sollst, dann spricht dein limbisches System zu dir. Es ist auch eng mit dem präfrontalen Kortex verbunden.

Der präfrontale Kortex ist neuer, weniger entwickelt und daher etwas schwächerer Teil des Gehirns. Dies ist der Teil deines Gehirns, der komplexe Verhaltensweisen plant, deine Persönlichkeit zum Ausdruck bringtund Entscheidungen trifft.

Der präfrontale Kortex ist „der Teil des Gehirns, der den Menschen wirklich von den Tieren trennt, die nur durch Reize kontrolliert werden“,

erklärt Dr. Tim Pychyl. Der Psychologieprofessor bezeichnet sich auch selbst als Professor Procrastination.

„Es ist ein Problem der Gefühlsregulierung, kein Problem des Zeitmanagements“.

Oder um es noch deutlicher auszudrücken:

Aufschieben ist Selbstsabotage.

Diese Selbsterkenntnis ist der Schlüssel, wie ich die Kurve bekomme. Zudem habe ich aufgehört, mir dafür die Schuld zu geben, dass ich zu was-auch-immer wäre.

Ich halte inne, atme durch und setze mich mit den negativen Emotionen auseinander, die im Zusammenhang mit der Aufgabe stehen.

Langeweile, Angst, Unsicherheit, Frustration, Groll, Selbstzweifel – was habe ich vergessen? Das klingt leichter, als es tatsächlich ist.

Das DUST Modell: aufschieben vermeiden & dir selbst auf die Spur kommen

Ich bin vor einiger Zeit auf das DUST Modell von Graham Allcott, dem Gründer von Think Productive, gestoßen. Für mich funktioniert es, weil es Gefühle vorgibt, in die ich hinein spüren kann. Es hilft mir zu erkennen, warum ich herum schiebe.

Schwierig (Difficult)

Manchmal fällt mir meine selbst gestellte Aufgabe schwer, weil ich mir zu wenig selbst-vertraue. Ab und zu zögere ich, weil ich weiß, dass ich etwas tatsächlich nicht kann, mir fehlen also Fähigkeiten.

Sobald mir klar ist, woran es liegt, versuche ich mich entweder in Geduld, gebe mir mehr Zeit und übe oder ich gebe die Aufgabe ab. Wie alle Print Sachen, denn ich verliere mich in den unzähligen Photoshop Einstellungen und möchte das auch nicht lernen.

Videobearbeitung finde ich interessanter und dann versuche ich mir mehr Zeit zu geben. Früher mit der Produktion anzufangen, mir Zeit im Kalender blockieren und all die Dinge zusammen zutragen, die ich für ein Video brauche: Bilder, Mini-Script, Farben, Screenshots, etc. Damit ich alles parat habe und in einen Flow komme.

Unklar (Unclear)

Darüber stolpere ich, wenn mir meine Aufgabe unklar ist. Eben mal schnell ein paar kurze Worte auf meine To Do Liste gekritzelt und zu dem Zeitpunkt weiß ich auch, was ich damit meinte. Aber später sitze ich davor und rätsel, was es mir sagen soll.

Oder Kunden, die eine Beratung zu Social Media wollen ohne weitere Angaben zu machen.

Das passiert mir nicht mehr so häufig, denn mittlerweile packe ich Bilder oder Links hinzu, die meine Notizen ergänzen. Vage Beratungsanfragen konkretisiere ich mit einfachen, umsetzbaren, klar definierten Zielen, bevor ich sie annehmen.

Beängstigend (Scary)

Wenn deine Träume dir keine Angst machen, sind sie zu klein.

Das ist ja schön und gut, doch sie dürfen mich auch nicht lähmen. Denn wenn mich nur noch meine Angst vor dem Versagen umtreibt, dann ist das kontraproduktiv.

Doch ich brauche ein aufgeregtes Kribbeln, eine Vorfreude. Das treibt mich aus meiner Komfortzone heraus. Ich stelle mir dann etwas vor, was mir noch mehr Angst macht (z. B. Stillstand bis zum Ende meiner Tage) und schon sehen die Verhältnisse anders aus.

Ab und an male ich mir meine persönlichen Schreckensszenarien aus und überlege mir, ob ich damit leben kann, wie ich mich fühlen würde.

Zum Beispiel auf der Bühne stehen und meinen Vortrag nicht halten können, weil ich unvorbereitet bin. No go.

Nicht zu wissen was ich an einem Tag auf Facebook schreiben soll? Steh ich drüber.

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Alternativ hilft es auch, dass ich mich einem Dritten gegenüber verpflichte. Denn Zuverlässigkeit ist mir sehr wichtig.

Langweilig (Tedious)

Manche Aufgaben sind einfach langweilig.

Kontoauszüge ausdrucken? Belege knicken, heften und ablegen?

Wenn du die Aufgaben (noch) nicht abgeben kannst, dann nutze die Zeit um dir das Video oder den Podcast anzuhören, den du dir schon lange abgespeichert hast. Oder dir gleich jede Woche Zeit dafür nehmen, den Podcast zu hören und den Papierkram nebenher erledigen. Somit vermeidest du auch kraftzehrende Hauruck-Aktionen.

Aufschieben vermeiden als Akt der Selbstfürsorge

Uuuuiiii! Mir was Gutes tun…. ganz gefährlich….

War mein erster Gedanke, als ich diese Überschrift formulierte. Selbstfürsorge ist immer so ein Thema bei mir.

  1. Eat a frog: Wenn du ungeliebte Aufgaben aufschiebst, schwächst du deine Energie. Währenddessen du dich produktiver fühlst, sobald du sie endlich von deiner Liste streichst.
  2. Unterteile in kleinere Arbeitsschritte: Mache die Aufgabe kleiner, indem du Aufgaben definierst, die sich leichter zu bewältigen anfühlen. Verpflichte dich, nur die erste Aufgabe zu erledigen, und sieh, wie du dich danach fühlst.
  3. Versuche den 10-Minuten-Trick: Stelle dir die Uhr und verpflichte dich, nur zehn Minuten an der Aufgabe zu arbeiten. Arbeite während dieser Zeit so konzentriert wie möglich.
  4. Arbeite in der Öffentlichkeit: Setze die Kraft des positiven Drucks ein, indem du öffentlich deine Ziele verkündest.
  5. Belohne dich selbst: Suche dir etwas aus, das dein limbisches System sehr glücklich machen würde. Das ist dein Geschenk an dich selbst, wenn du die Aufgabe angehst. Und sei es nur ein kleiner Teil der Aufgabe, die du vermieden hast.

Fazit

Aufzuschieben ist völlig natürlich und manchmal gebe ich auch einfach nach. Weil ich gefühlt am Anschlag bin und mir mein Körper sagt, dass wir eine Pause brauchen.

Doch wenn ich mich konstant daran hindere, meine Ziele zu erreichen, dann frage ich mich lieber warum und gehe die Punkte an. Auch mit Hilfe anderer.

Und du?

Was machst du mit deiner Aufschieberitis?

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